Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712-1774): The Imitator of Masters
Christian Wilhelm Ernst Dietrich, auch Christian Guillaume Ernest Dietricy (* 30. Oktober 1712 in Weimar; † 23. April 1774 in Dresden), war ein deutscher Maler, Radierer und Kupferstecher. Er wurde als Sohn des Hofmalers Johann Georg Dietrich geboren. Seine Mutter war Johanna Dorothea Dietrich, die Tochter des Hofmalers Johann Ernst Rentsch aus Weimar. Seine Schwester Maria Dorothea Wagner widmete sich später der Landschaftsmalerei, ebenso wie sein Neffe Johann Georg Wagner. Auch Dietrichs jüngste Schwester Rahel Rosina Böhme wurde Malerin.
Dietrich erhielt seine früheste Ausbildung in Weimar bei seinem Vater Johann Georg Dietrich. Nach seiner Übersiedelung nach Dresden 1724 wurde Dietrich von dem Landschaftsmaler Johann Alexander Thiele gefördert. August der Starke wurde bald auf das junge Talent aufmerksam und ließ den Grafen Brühl für die weitere Ausbildung Dietrichs Sorge tragen, der sein Gönner wurde. Eine anschließende Studienfahrt nach Italien im Jahr 1743, in deren Folge sich Dietrich in Dietricy umbenannte, wirkte sich auf Dietrichs Werk allerdings nur bedingt aus und kann quellenkundlich nicht belegt werden. Die folgenden Jahre zählen zu Dietrichs schaffensreichsten und erfolgreichsten. In ganz Europa wurden seine Werke gehandelt. Er erhielt Ehrenmitgliedschaften der Akademien in Augsburg, Bologna und Kopenhagen und wurde 1764 zum Direktor der Malerschule der Meißner Porzellanmanufaktur ernannt. Ein Jahr später erhielt er an der Kunstakademie Dresden eine Professur, die er bis zu seinem Tod innehatte. Nach seinem Tod veranlasste die Witwe Dietrichs den Maler Adrian Zingg eine Gesamtausgabe zu publizieren, die 87 Blätter umfasste, von denen ein Teil Zingg vollendete. Das Titelblatt ist der vierte Abdruck einer Felsenlandschaft von Dietrich in der Stiltradition Salvator Rosas.
Dietrichs Werk umfasst alle Stoffgebiete und Techniken der Malerei seiner Zeit. Auch verschiedene Kunstrichtungen des 17. Jahrhunderts finden sich in seinem Gesamtwerk wieder. Er beschränkte sich zunächst auf die Nachahmung der bekannten niederländischen Maler wie Rembrandt van Rijn, Adriaen van Ostade, Cornelis van Poelenburgh und Nicolaes Pieterszoon Berchem, aber auch Antoine Watteau. Seine Bilder glichen technisch dem Originalstil oft derart, dass sie beispielsweise als echte „Rembrandts“ verkauft wurden. Eine besondere Aufmerksamkeit fand seine Landschaftsradierungen, die insbesondere durch ihre Virtuosität der Technik und ihre Bandbreite ihrer Darstellungsmotive beeindruckten. Johann Joachim Winckelmann nannte Dietrich diesbezüglich sogar den „Raffael aller Zeiten in Landschaften“. Seine ca. 181 überlieferten druckgrafischen Blätter beinhalteten Themen des Alten und Neuen Testaments, der Mythologie, Allegorie und Geschichte sowie Landschaften, Vieh- und Hirtenstücke, Tierstudien, Wappen, Vignetten, verzierte Buchstaben, Halbfiguren, Brustbilder, Genredarstellungen, Köpfe usw. Ein Hauptaugenmerk ist auf die Landschaftsdarstellungen zu richten, die in virtuoser Manier der holländischen Meister des 17. Jahrhunderts oder italienischen Meister des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts radiert sind und einen Schwerpunkt in seinem Gesamtwerk darstellen. Seine Kunst wurde von zahlreichen Kollegen und Studenten gefeiert und prägte den künstlerischen Geschmack seiner Zeit nachhaltig. Er gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler und Radierer seines Jahrhunderts und wird bis heute für seine außergewöhnliche technische Fertigkeit und sein tiefes Verständnis für die Prinzipien klassischer Kunst geschätzt.